"Hallo! Hallo!", ruft MAX so laut er kann, als das Segelschiff
vor ihnen auf dem Nil auftaucht.
Zusammen mit MORITZ winkt er vom Ufer aus der Besatzung zu.
"Sie haben uns gehört!", sagt MAX. "MORITZ, wir haben großes
Glück! Das Schiff segelt ans Ufer."
Nachdem der Kapitän die beiden Kinder bemerkt hat, gibt er den
Befehl, zum Ufer zu steuern.
"Na, ihr beiden?", fragt der Schiffskapitän MAX und MORITZ, als
das Segelschiff am Ufer anlegt. "Habt ihr Lust, ein tolles
Abenteuer zu erleben?"
MAX und MORITZ nicken begeistert.
"Dann kommt mal rasch an Bord!", sagt der Kapitän.
Nachdem MAX und MORITZ auf das Schiff geklettert sind, legt
dieses vom Ufer ab und setzt seine Fahrt auf dem Nil fort.
"Wohin wird uns unsere Reise denn führen?", fragt MAX neugierig.
"Und wofür sind diese riesigen Steinblöcke vorgesehen?", will
MORITZ wissen.
"Das verrate ich euch jetzt noch nicht", antwortet der Kapitän
lächelnd. "Lasst euch mal überraschen."
Zwei Tage und zwei Nächte segelt das Schiff mit seiner
geheimnisvollen Fracht auf dem breiten Nil.
Auf ihrer Fahrt kommen sie an großflächigen Feldern und
fruchtbarem
Ackerland vorbei. Bauern, die nahe demFlussufer den Boden
pflügen, winken den Reisenden freundlich zu.
Und MAX und MORITZ winken jubelnd zurück.
Hinter den Feldern können die beiden Kinder zwischen hohen
Palmen die
Lehmhütten der Bauern erkennen.
"Dahinter breitet sich dann die Wüste aus", erklärt der Kapitän
den beiden Kindern. "Denn das Land hinter den Siedlungen wird
nicht mehr vom Nil bewässert."
"Dauert
es noch lange, bis wir unser Ziel erreichen?", fragt MAX.
Der Kapitän schüttelt den Kopf. "Nein", sagt er. "Morgen früh
werden wir an Land gehen und die Steinblöcke abladen. Dann ist
unsere lange Schiffsreise auf dem Nil beendet."
"Ich kann es kaum erwarten!", seufzt MORITZ.
Der Kapitän lächelt. "Ich habe euch bestimmt nicht zu viel
versprochen. Ihr werdet Augen machen!"
Als an diesem Abend die Dämmerung
anbricht und die
Sonne langsam hinter dem Horizont versinkt, gehen MAX und MORITZ
früh schlafen.
Denn morgen stehen ihnen einige spannende Erlebnisse bevor...
Kaum ist die Sonne aufgegangen, sind MAX und MORITZ auch schon
hellwach. Das Segelschiff folgt einer Flussbiegung, hinter der
sich für MAX und MORITZ ein faszinierender Ausblick eröffnet.
Vor ihnen erheben sich in einiger
Entfernung vom
Ufer die gewaltigen
Umrisse einer Pyramide, die bereits eine Höhe von mehr als
hundert Metern erreicht hat. Vom Schiff aus können die beiden
Kinder erkennen,
dass unzählige Menschen an diesem monumentalen Bauwerk arbeiten.
"Fantastisch!", schwärmt MAX. "Wie oft habe ich mir schon
gewünscht, eine Pyramide aus nächster Nähe zu sehen!"
Vor ihnen wird an der Anlegestelle am Ufer gerade ein anderes
Segelschiff
entladen, das ebenfalls einige mächtige Steinblöcke für den Bau
der Pyramide hierher gebracht hat.
Über eine Rampe werden die Felsblöcke nacheinander an Land
befördert, wo sie von einigen kräftigen Männern mit Seilen und
Hebeln auf Holzschlitten gehoben werden.
Über eine Bahn von Holzbalken werden die Schlitten dann von
einer größeren Gruppe nach oben zu der Pyramidegezogen.
"Unglaublich!", seufzt MAX. "Das ist ja eine Wahnsinnsarbeit!"
Der Kapitän nickt. "Der Bau dieser Pyramide hat viele Jahre
gedauert. Tausende von Arbeitern haben daran mitgewirkt. Und ihr
werdet nun erleben, wie die Pyramide vollendet wird!"
"Sagenhaft!", ruft MORITZ. "Das ist einfach sagenhaft!"
Nachdem das Schiff vor ihnen vollständig entladen worden ist,
kann nun auch das Segelschiff, mit dem MAX und MORITZ ihre weite
Reise auf dem Nil gemacht haben, am Ufer anlegen.
Über eine hölzerne Rampe gelangen die beiden Kinder an Land.
Nun können sie aus nächster Nähe beobachten, wie die einzelnen
Steinblöcke den langen Weg vom Schiff bis hinauf zu der Pyramide
auf den Schlitten gezogen werden.
"Komm, MORITZ!", sagt MAX. "Wir klettern an den seitlichen
Rampen bis zur Spitze der Pyramide!"
"Seid aber bitte vorsichtig!", ermahnt sie der Kapitän.
MAX nickt. "Wir werden ganz bestimmt aufpassen", verspricht er.
MAX und MORITZ müssen auf ihrem anstrengenden Weg nach oben eine
beträchtliche Strecke zurücklegen. Zwischendurch machen sie eine
Verschnaufpause, um sich ein wenig zu erholen. Dann erreichen
MAX und MORITZ nach einiger Zeit endlich die noch nicht ganz
fertig gestellte Spitze der Pyramide.
MAX deutet auf die oberste Schicht der großen, viereckigen
Steine.
"Darauf kommen die Felsblöcke, mit denen wir auf dem Nil gereist
sind", erklärt er stolz.
MORITZ nickt zustimmend. "Und wir hatten die ganze Zeit über
nicht die geringste Ahnung, dass diese schweren Steine für den
Bau einer Pyramide vorgesehen waren", sagt er.
Von hier oben, mehr als hundert Meter über dem Erdboden, haben
die beiden Kinder einen fantastischen Überblick über die
scheinbar unendliche Weite der Wüste.
Am nächsten Tag, um die Mittagszeit, ist dann der große
Augenblick gekommen...
Vom Boden aus beobachten MAX und MORITZ gemeinsam mit dem
Kapitän des Segelschiffes, wie der Schlussstein, der selbst die
Form einer kleinen Pyramide hat, auf die Spitze der riesigen
Pyramide gesetzt wird.
"Hurra!", jubelt MAX, als das gewaltige Bauwerk vollendet wird.
"Die Pyramide ist fertig!"
"Und wir sind dabei gewesen!", ruft MORITZ. "Wir waren
Augenzeugen dieser Meisterleistung!"
An diesem denkwürdigen Tag feiern all die Menschen, die am Bau
der Pyramide beteiligt waren, ein großes Fest.
"Wisst ihr eigentlich, zu welchem Zweck Pyramiden erbaut
werden?", fragt der Kapitän die beiden Kinder.
MAX nickt. "In der Pyramide befindet sich die Grabkammer eines
Pharaos", antwortet er.
"Der riesige Berg aus Steinen soll sein Grab beschützen."
Der Kapitän ist beeindruckt. "Schlaues Kerlchen", sagt er
anerkennend. "Und was ist ein Pharao?", will er nun wissen.
"Ein
Pharao ist ein altägyptischer König", erwidert MORITZ. "Hast du
sonst noch Fragen?"
"Ja", sagt der Kapitän. "Habt ihr beiden schon einmal die
Grabkammer einer Pyramide besucht?"
MAX und MORITZ sehen ihn entgeistert an.
"Dann wird es aber höchste Zeit!", ruft der Kapitän.
Der Kapitän führt MAX und MORITZ zur Nordseite der Pyramide.
"Ihr braucht keine Angst zu haben", beruhigt er die beiden. "In
der Grabkammer steht bis jetzt nur der leere Sarkophag, in den
später einmal die Mumie des Pharaos gelegt wird."
"Was ist ein Sarkophag?", fragt MAX.
"Das ist ein großer Sarg aus Steinen mit zahlreichen
Verzierungen an den Außenseiten", erklärt der Kapitän. "In einer
feierlichen Zeremonie wird der Holzsarg mit der Mumie des
Pharaos in diesen Steinsarg gehoben."