An
einem heiteren sonnigen Tag saß die achtjährige Sybille Schachl in
ihrem Zimmer in Wien und betrachtete die Bilder in ihrer Bibel.
Es war um die Mittagszeit.
„Schaut her, Florian, Heike und Renate“, sagte sie, als sie wieder
einmal umblätterte. „Hier ist ein Bild von einem kleinen Mädchen
in meinem Alter. Sie teilt ihr Mittagessen mit Jesus.“
Sybille
begann sich vorzustellen, wie wohl die Gegend um den See Genezareth
in Galiläa damals ausgesehen hatte und sie versetzte
sich selbst in jene Zeit zurück. Sie konnte tatsächlich eine kühle
Brise verspüren, die über das Wasser wehte, das weiche grüne Gras
fühlen, das sich um sie herum im Wind wiegte und die Süße der
wunderschönen
Blumen riechen, die entlang des Berghangs wuchsen.
„Florian, Heike und Renate! Kommt schnell her!“ rief Sybille
aufgeregt. „Schaut nur, wie viele Leute am Fuß dieses Berges
versammelt sind. Was wollen die nur alle hier? Wir wollen um die
Wette auf den Berg laufen und sehen, was da los ist. - Achtung,
fertig, los!“
Sybille erreichte als Erste den Gipfel und rief übermütig: „Hurra,
ich habe gewonnen!“
Nach dem langen und anstrengenden Lauf war Sybille etwas müde.
Florian, Heike und Renate schlugen vor, dass sie sich niedersetzen
und im angenehm weichen Gras eine kleine Rast einlegen sollten.
„Jetzt bin ich aber ein wenig hungrig“, stellte Sybille fest. „Lasst
uns unter diesem schattigen Olivenbaum ein Picknick machen.“
Florian, Heike und Renate stimmten zu, dass ein Picknick an einem so
wunderbaren Ort eine glänzende Idee wäre.
Bevor sie aber zu essen beginnen konnten, näherten sich einige
Personen aus der großen Menschenmenge. Sie hatten die Speisen
entdeckt, die Sybille gerade auf einem Tuch ausgebreitet hatte.
Einer der Männer sprach Sybille an: „Wir waren den ganzen Tag
unterwegs und sind sehr hungrig. Wir haben gesehen, dass Ihr fünf
Laibe Gerstenbrot und zwei Fische habt.
Könntet Ihr mit uns teilen?“
Sybille
erinnerte sich, dass ihr Florian, Heike und Renate einmal gesagt
hatten, dass es höflich wäre, mit anderen zu teilen.
Deshalb antwortete sie: „Ja, ich würde sehr gerne mein Essen mit
Euch teilen, aber ich fürchte, es wird leider nicht reichen, um so
viele Personen satt zu machen.“
Der Mann, mit dem sie sprach, war einer der Jünger von Jesus. Dieser
erklärte, er würde die Speisen zu seinem Meister bringen.
Sybille war sehr neugierig zu sehen, wie mit einer so kleinen Menge
Essen so viele Personen satt werden sollten.
Sie rief sich die Worte von Florian, Heike und Renate ins Gedächtnis
zurück, die ihr einmal von den vielen Wundern erzählt hatten, die
Jesus
vollbracht hatte. „Irgendetwas Aufregendes wird jetzt passieren“,
dachte Sybille.